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VonRedaktion

Hüfte ist nicht gleich Hüfte

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Minimalinvasiver Gelenkersatz mit dem YALE-Zugang

Der Einsatz eines neuen Hüftgelenks zählt in Deutschland zu den häufigsten Eingriffen überhaupt. Typischerweise erfolgt der Eingriff durch einen seitlichen oder hinteren Zugang. Die Methode ist seit Jahrzehnten bewährt, aber durchaus nicht immer problemlos. Längst sind nicht alle Patienten nach der OP wieder so schnell auf den Beinen, wie dies wünschenswert wäre, und manchmal bleiben gar deutliche Einschränkungen zurück. Mit dem minimal-invasiven YALE-Zugang sollen jetzt Komplikationen vermieden und die Traumatisierung möglichst gering gehalten werden, erläutert im Gespräch mit ORTHOpress Dr. Robert Kipping, der zusammen mit seinen Kollegen Dr. Konrad Scheuerer und Dr. Ulrich Pfleghar die Orthopädische Praxisklinik Gräfelfing führt.

Herr Dr. Kipping, warum ist der herkömmliche Zugang bei der Hüftgelenksimplantation nicht optimal?

Dr. Kipping: Bei der „klassischen“ Hüftgelenksoperation muss die hintere Gesäßmuskulatur teilweise abgelöst beziehungsweise die große Sehnenplatte durchtrennt werden. Das wird oft heruntergespielt, ist aber eine sehr große Verletzung. In diesem Bereich wird rund ein Drittel der gesamten Muskelkraft des Beines übertragen, sodass sich nach der OP ein deutlicher Kraftverlust ergibt. Die Heilung der Sehnenplatte ist dabei langwierig und manchmal nicht frei von schmerzhaften Begleiterscheinungen – so kommt es unter Umständen zu chronischen Schleimbeutelentzündungen am großen Rollhügel, der höchsten Erhebung der Hüfte. Bei einigen Patienten tritt das typische sogenannte Trendelenburg-Hinken auf. Im schlimmsten Fall entsteht ein bleibender Schaden, weil die Sehnenplatte nicht mehr vollständig heilt.

Der an der gleichnamigen Universität entwickelte YALE-Zugang soll diese Nachteile jetzt nicht mehr besitzen. Wie funktioniert das?

Dr. Kipping: Bei der YALE-Technik werden nur zwei kleine Schnitte benötigt. Prothesenschaft und Pfanne werden durch natürliche Muskellogen hindurch eingebracht – so wird praktisch überhaupt kein Muskelgewebe in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch gestattet die Vorgehensweise eine sehr gute Sicht auf das gesamte Operationsfeld. Damit bietet sie einen großen Vorteil gegenüber einer ganzen Reihe anderer Operationstechniken, die entweder nur eine gute Sicht auf die Pfanne oder aber den Hüftkopf gewährleisten. Dabei eignet sich die Methode für praktisch alle am Markt verfügbaren Prothesensysteme, unabhängig davon, ob es sich um Kurzschaft- oder Langschaftimplantate handelt. Durch den minimalinvasiven Zugang sind die Patienten darüber hinaus sehr schnell wieder fit: Schon zwei Tage nach dem Eingriff können sie wieder Treppen steigen. Auch der postoperative Wundschmerz ist natürlich erheblich geringer, was nicht nur Schmerzmittel reduzieren hilft, sondern auch zusätzlich eine schnelle Rehabilitation begünstigt. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz ist bei leichteren Tätigkeiten bereits 14 Tage nach dem Eingriff wieder möglich. Bis zum Abschluss der 4. postoperativen Woche tragen die Patienten ein von mir selbst entwickeltes Hüftmieder („YALE-Bandage“), um Luxationen zu vermeiden und den OP-Erfolg zu optimieren. Die Sportfähigkeit wird üblicherweise nach etwa sechs Monaten wieder erreicht.

Können alle Patienten solcherart operiert werden, oder gibt es Einschränkungen?

Dr. Kipping: Tatsächlich können fast alle Patienten nach der YALE-Methode operiert werden. Der Zugang ist sogar geeignet für übergewichtige Menschen, da er nicht die weiträumige Durchtrennung schlecht heilenden Fettgewebes erfordert. Daneben können auch betagte Patienten normalerweise problemlos versorgt werden, sodass hier keine Kontraindikation gegeben ist – im Gegenteil: der geringere Blutverlust bei der Operation und die schnelle Mobilisierung sind zusätzlich vorteilhaft.

Herr Dr. Kipping, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch!

aus ORTHOpress 3-2014

Weitere Informationen:

Dr. Robert Kipping

Tel.: 089 / 898 20 20 - 0

www.orthopraxis.de