Ernährung bei Arthrose

VonRedaktion

Ernährung bei Arthrose

Arthrose gilt gemeinhin immer noch als nicht heilbar. Mit verschiedenen Therapien wird versucht, den Verlauf zumindest zu verlangsamen. Die Wenigsten wissen, dass auch mit der Ernährung ­Entstehung und weitere Entwicklung einer Arthrose ganz erheblich beeinflusst werden können.

Dass für Entstehung und Verlauf einer Arthrose richtige und ausreichende Bewegung eine wesentliche Rolle spielt, ist seit Langem bekannt. „Wer rastet, der rostet“, wusste der Volksmund schon vor der Etablierung aller zur Zeit gängigen Methoden zur Behandlung einer Arthrose. Wie wichtig aber eine angepasste Ernährung ist und wie stark sie den Verlauf einer Arthroseerkrankung beeinflussen kann, rückt erst allmählich ins Bewusstsein und wird Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Inzwischen gilt als bewiesen, dass das, was wir essen (und trinken) ganz wesentlich unseren Stoffwechsel und damit unsere Gesundheit beeinflusst bzw. auch Auftreten und Verlauf zahlreicher Erkrankungen – nicht nur bei Arthrose – bestimmen kann.

Was heißt gesunde Ernährung bei Arthrose? 

Darüber gehen die Meinungen bei Gelehrten und Experten durchaus auseinander. Unstrittig ist, dass Übergewicht ein gewichtiger Risikofaktor ist, denn jedes Kilo mehr bedeutet eine zusätzliche Belastung vor allem für die Gewicht tragenden Gelenke wie Hüften und Knie. Das heißt, spätestens, wenn die Diagnose Arthrose gestellt worden ist, sollten überzählige Pfunde abgebaut und Normalgewicht angestrebt werden. Dabei bewirkt schon der Abbau von etwa 10 Prozent Körpergewicht deutliche Effekte (auch bei anderen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen). Wie Studien zeigten, waren die Effekte besonders eindrücklich bei (ärztlich geleiteten) Fastenkuren. Bereits nach zwei Wochen gingen Gelenkschmerzen und damit Schmerzmittelverbrauch deutlich zurück. Diese Effekte sind sicherlich nicht allein auf die Gewichtsreduzierung zurückzuführen. Verantwortlich könnte auch die verminderte Zufuhr von tierischen Nahrungsmitteln sein. Diese können – vor allem durch den Gehalt an Arachidonsäure – entzündliche und damit Knorpel schädigende Wirkungen im Organismus entfalten.

Etwas Chemie muss sein

Arachidonsäure wird zwar in geringen Mengen im Organismus gebildet, zum weitaus größeren Teil wird sie aber über Nahrungsmittel tierischer Herkunft (vor allem tierische Fette) aufgenommen. Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten keine Arachidonsäure. Bei Arachidonsäure handelt es sich eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure, aus der im Organismus entzündungsfördernde Botenstoffe gebildet werden. Das bedeutet: Je mehr Arachidonsäure mit der Nahrung aufgenommen wird – also je mehr tierische Nahrungsmittel verzehrt werden – umso mehr entzündungsfördernde Botenstoffe können gebildet werden. Gegenspieler der Arachidonsäure sind die auch mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmende Eigenschaften haben. Omega-3-Fettsäuren verdrängen die Omega-6-Fettsäuren aus ihren Bindungsstellen im Stoffwechsel, sodass weniger entzündungsfördernde Botenstoffe gebildet werden können. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Fischen (Lachs, Heringsarten, Forelle usw.) und hochwertigen pflanzlichen Ölen (Raps-, Lein-, Walnuss-, Weizenkeimöl) sowie in Nüssen enthalten.

Radikalen auf der Spur

Ebenfalls eine wichtige Rolle bei Entstehung und Verlauf einer Arthrose spielen die sogenannten freien Radikale. Dabei handelt es sich um kurzlebige, aggressive Sauerstoffverbindungen, die für viele Stoffwechselprozesse notwendig sind. Wenn sie aber im Übermaß vorhanden sind, können sie Gewebe, wie z. B. Knorpel, schädigen. Freie Radikale entstehen vermehrt bei entzündlichen Prozessen, heizen ihrerseits aber Entzündungen auch an, indem sie die Freisetzung von Arachidonsäure fördern. Ein Kreislauf, der durch eine entsprechende Ernährung unterhalten aber genauso durch die Aufnahme der richtigen Gegenspieler auch gebremst werden kann. Gegenspieler der freien Radikale sind die sogenannten Antioxidantien, die auch als Radikalenfänger bezeichnet werden. Es handelt sich dabei vor allem um bestimmte Vitamine (C, E und βCarotin) sowie Spurenelemente wie Selen und Zink aus pflanzlichen Nahrungsmitteln.

Am besten vegetarisch

Wollte man das bisherige Wissen um eine entzündungs- und damit Arthrose hemmende Ernährung konsequent umsetzen, müsste man sich ausschließlich mit hochwertigen pflanzlichen Produkten ernähren. Dies würde aber für die meisten eine derart drastische Ernährungsumstellung erfordern, dass ein Scheitern der Bemühungen gewissermaßen vorprogrammiert ist. Da also eine vegetarische Ernährung – aus vielerlei Gründen – für viele von Arthrose Betroffene keine wirkliche Alternative darstellt, empfehlen die meisten Ernährungswissenschaftler eine Mischkost, bei der allerdings – im Vergleich zu der bei uns im allgemeinen üblichen Ernährung – der Fleischanteil zugunsten der pflanzlichen Lebensmittel deutlich reduziert ist. Wenn die täglichen Mahlzeiten regelmäßig Obst und Gemüse in ausreichender Menge sowie fettarme Milchprodukte enthalten, bei den Kohlenhydratträgern Vollkornprodukte bevorzugt werden und mindestens zweimal die Woche Seefisch auf dem Speiseplan steht, dann haben auch die meisten Experten gegen ein kleines Stück Fleisch am Sonntag nichts einzuwenden. Eine derartige Ernährung beeinflusst auch einen zu hohen Harnsäurespiegel günstig und damit durch Harnsäurekristalle ausgelöste Gelenkbeschwerden, die ähnlich denen bei einer Arthrose sein können.

Umstellung erleichtern

Allerdings darf man keine zu schnellen Erfolge erwarten. Eine Woche ohne Fleisch bedeutet noch nicht Gelenke wie mit 20. Die Stoffwechselumstellung braucht ein wenig Zeit. Je nach Ausgangslage und Konsequenz bei der Ernährungsänderung werden nach etwa zwei bis drei Monaten erste Effekte spürbar: Die Schmerzen lassen nach, die Beweglichkeit verbessert sich und der Schmerzmittelverbrauch sinkt. Weitere Verbesserungen sind im Verlauf der folgenden zwölf Monate zu erwarten. Damit es bei der Kostumstellung nicht zu Unterversorgungen in anderen Bereichen kommt, empfiehlt es sich, zumindest für die erste Zeit professionellen Rat und Beistand einzuholen. Dies kann z. B. in Form von Kochkursen oder auch als individuelle Ernährungsberatung erfolgen. Wichtig ist, dass der Genuss nicht auf der Strecke bleibt, denn nur wenn es schmeckt, hat die Ernährungsumstellung Aussicht auf Erfolg. Oft entdeckt man aber auch völlig neue Geschmacksqualitäten und findet neue Lieblingsgerichte, die nach einer Wanderung oder einer Radtour besonders gut schmecken. Genuss pur – nicht nur für die Gelenke.

 von Sigrid Eberle

aus ORTHOpress 2/2011

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