Endometriose – Die Ausnahme von der Regel

VonStefanie Zerres

Endometriose – Die Ausnahme von der Regel

Die Schmerzen einer Endometriose übersteigen die „normalen“ Beschwerden der Menstruation und schränken die betroffenen Frauen oft sehr ein.

Dennoch hängen beide miteinander zusammen, denn bei den schmerzauslösenden Endometriose-Herden handelt es sich um Gebärmutterschleimhaut, die sich an anderen Orten im Körper befindet. Daher treten die chronischen Unterleibsschmerzen auch immer dann verstärkt auf, wenn die Periode stattfindet.

Diesem Zusammenhang ist es auch geschuldet, dass die Erkrankung, die im Schnitt bei 10 bis 15 Prozent aller Frauen auftritt, häufig erst spät und nach einem längeren Leidensweg diagnostiziert wird. Die Frauen meinen, die Schmerzen als natürlichen Vorgang aushalten zu müssen. Doch die starken Krämpfe und Schmerzen, die auch in den Rücken ausstrahlen können, sind viel mehr. Oftmals ist es erst eine der möglichen Folgen, aufgrund derer die Frauen einen Arzt aufsuchen: die Unfruchtbarkeit. Sie kann bestehen, wenn sich die Endometriose-Herde an den Eierstöcken oder Eileitern befinden und es dort zu Stenosen (Verengungen) aufgrund von Verwachsungen bzw. Vernarbungen kommt. Dies gehört zu den häufigsten Gründen für eine Sterilität oder Infertilität. Für viele Frauen ist es nicht nur aus diesem Grund eine Erleichterung, den Befund zu erhalten. Denn nach oft langem Leiden wird ihnen bestätigt, nicht „nur“ an Menstruationsbeschwerden zu leiden. Die Erkrankung tritt meist erst einige Jahre nach der ersten Menstruation auf und verschwindet nach der Menopause wieder. Die knotigen Gewebeteile können im Laufe der Erkrankung wachsen und sich ausbreiten, sich aber auch spontan wieder zurückbilden.

Laparoskopie zur Diagnose und Therapie

Gestellt wird die Diagnose nach einem ausführlichen Anamnesegespräch und einer gynäkologischen Untersuchung. Allerdings können die Gewebeknoten mittels Ultraschall nur ab einer gewissen Größe sichtbar gemacht werden. Eine Bauchspiegelung ist die derzeit einzige Möglichkeit, auch kleinere Vorkommen ausfindig zu machen. Die spielt oft eine wichtige Rolle, denn die Größe der Endometriose-Herde steht nicht im direkten Zusammenhang mit dem Ausmaß der Beschwerden. So kann es durchaus auch vorkommen, dass Frauen mit größeren Herden keine Probleme haben, während kleinere trotzdem mit Beschwerden verbunden sind.

Prinzipiell können alle Gewebe von den Endometriose-Herden betroffen sein, meist finden sie sich jedoch im Bauchraum. Neben den Fortpflanzungsorganen befinden sie sich dort auch in dem zwischen Gebärmutter und Enddarm liegenden sogenannten Douglas‘schen Raum und in den Regionen um Blase oder Darm. Folglich kann es daher auch zu Beschwerden beim Geschlechtsverkehr oder zu Einschränkungen der Blasen- und Darmfunktion kommen. Besonders schmerzhaft sind die gutartigen Gewebeabsiedlungen an Stellen, an denen das bei der Menstruation regelmäßig austretende Blut schwer abfließen kann. Dann können infolge der Endometriose auch Zysten entstehen.

Warum sich die Gebärmutterschleimhaut oder das ihr ähnliche Gewebe, das zyklisch reagiert, an anderen Stellen des Körpers befindet, ist noch nicht abschließend geklärt. Auch eine ursächliche Therapie ist daher bisher nicht möglich. Symptomatische Maßnahmen wie Schmerzmittel und Wärmeanwendungen können die Beschwerden lindern. Eine Hormontherapie, die dem Körper eine Schwangerschaft simuliert, unterdrückt sie und kann für Frauen ohne Kinderwunsch infrage kommen. Dies kann erfolgen, indem die Antibabypille ohne Pause eingenommen wird oder andere Hormonpräparate wie Gestagene verabreicht werden. Letzteres sollte jedoch zeitlich begrenzt sein, da sie Nebenwirkungen wie unter anderem ein erhöhtes Osteoporoserisiko mit sich bringen.

Zwar können die Endometriose-Herde selbst nach der operativen Entfernung bei den betroffenen Frauen immer wieder entstehen. Dennoch ist eine OP für viele Frauen eine Möglichkeit, zumindest zeitweise beschwerdefrei zu werden. Dieser Eingriff kann in vielen Fällen in Schlüssellochtechnik, das heißt laparoskopisch erfolgen. Nur bei sehr ausgedehnten Wucherungen ist ein größerer Schnitt notwendig. Während des Eingriffes werden die Gewebeherde entweder mit einem Schnitt entfernt oder mittels Hitze verödet. Insbesondere, wenn die Fruchtbarkeit der Frau beeinträchtigt ist und ein Kinderwunsch besteht, kann die Operation Abhilfe schaffen.

 

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