VonRedaktion

Rund ums Knie

Kreuzband- und Meniskusriss, Bakerzyste

Das Knie ist als größtes Gelenk sehr vielen Belastungen ausgesetzt und wegen seiner oberflächlichen Lage verletzungsanfälliger als z.B. die Hüfte. Damit sich aus einer Verletzung nicht weitere Folgeschäden oder-erkrankungen entwickeln, sollte man sie frühzeitig behandeln.

Herbert K., angestellt bei einem Versicherungsunternehmen liebt seinen Job und hat kein Problem damit, eine sitzende Tätigkeit auszuüben. Einen Ausgleich braucht er aber trotzdem und ist seit Jahren begeisterter Tennisspieler. Bis er eines Tages zusätzlich zu dem immer mal wieder schmerzenden rechten Knie eine Verdickung in der Kniekehle entdeckt. Diese stellt sich als Bakerzyste heraus, vermutlich eine Folge eines unentdeckten Meniskus- oder Kreuzbandanrisses durch die „Stop-and-go“-Sportart Tennis.

Der Kreuzbandriss

Namensgebend für das Ligamentum cruciatum anterius (vorderes Kreuzband) und das Ligamentum cruciatum posterius (hinteres Kreuzband) ist ihre übereinanderliegende Position, die sie im Kniegelenk haben. Dort sind die normalerweise robusten Kreuzbänder straff gespannt und halten die Elemente des Knies stabil zusammen. Zu den häufigsten Knieverletzungen gehört der Riss des Kreuzbandes oder auch beider Kreuzbänder. So ein Teilriss oder vollständiger Durchriss geht dabei häufig mit Verletzungen weiterer Strukturen im Knie einher. Das vordere Kreuzband reißt oft bei plötzlich starkem Richtungswechsel bzw. Drehbewegungen, wie bei Sportunfällen. Die Ruptur des hinteren Kreuzbandes ist seltener und erfolgt oft durch starke Überdehnung, wie bei Verkehrsunfällen. Der Kreuzbandriss ist schmerzhaft und führt zu Schwellungen sowie Gelenkergüssen und bewirkt eine Instabilität, welche die verbleibenden Bänder und Gelenkelemente zukünftig stärker fordert. Fällt die Stabilisierung durch die Kreuzbänder weg, so ist die gesamte Funktion des Kniegelenks beeinträchtigt: Das Schienbein lässt sich bei einem Riss des vorderen Kreuzbandes weiter nach vorne bewegen, als es natürlicherweise sollte und bei Schäden des hinteren Kreuzbandes weiter nach hinten. Man spricht dabei von einem vorderen oder hinteren Schubladenphänomen. Diagnostisch wird das beim sogenannten Lachman-Test, einer passiven Funktionsprüfung, die der Arzt bei Verdacht auf Kreuzbandriss durchführt, genutzt. Außerdem können zur Diagnosesicherung ein MRT-Bild angefertigt oder eine Kniearthroskopie durchgeführt werden. Leider können die gerissenen Teile eines Kreuzbandes nicht wie bei einem Knochenbruch wieder zusammenwachsen. Bei einer rein konservativen Behandlung versucht man durch Muskelkräftigung das Gelenk zu stabilisieren. Operativ stehen die sogenannte Healing-Response-Methode oder der Ersatz des Kreuzbandes therapeutisch zur Verfügung. Die Healing-Response-Technik ist von der möglichen Indikation etwas eingeschränkt: Sie kann nur bei frischen Rupturen des vorderen Kreuzbandes am Oberschenkelknochen oder am Synovialüberzug angewendet werden. Das Band wird dafür wieder befestigt und dann der Knochen dort bis aufs Mark an mehreren Stellen angebohrt. Stammzellen treten aus und aktivieren Heilungsmechanismen. Bei der Kreuzbandplastik ersetzt man das Band entweder durch synthetisches oder körpereigenes Material.

Meniskusriss

In jedem Knie gibt es zwei Menisken, den Innen- und Außenmeniskus. Die mondförmigen Knorpelscheiben vergrößern die Gelenkfläche und sind beweglich. Der robuste Faserknorpel, aus dem sie bestehen, ist außer an den Rändern nicht gut durchblutet, was bei Verletzungen eine Heilung erschwert. Solche treten am häufigsten als Folge von Sportunfällen mit größerer Krafteinwirkung auf. In der Regel sind Personen mit Meniskusriss nicht mehr in der Lage, das Knie voll durchzustrecken, außerdem leiden sie an zum Teil starken Schmerzen und Schwellungen sowie Gelenkergüssen. Ein Riss bei einem gesunden Meniskus ist eher selten, meist ist er durch Verschleiß bereits vorgeschädigt. Häufiger als am Außenmeniskus, sind die Meniskusrisse innen. Wie genau der Meniskus gerissen ist – punktförmig, tief oder quer – kann mit diagnostischen Mitteln der Magnetresonanztomografie oder Arthroskopie ermittelt werden. Damit sieht man außerdem, ob Teile abgespalten sind und sich störend im Gelenk befinden. Während man früher die Wichtigkeit der Menisken unterschätzt und sie meist (ersatzlos) entfernt hat, wenn sie beschädigt waren, versucht man dies heute nach Möglichkeit zu verhindern. Angewendet werden heute primär zwei Methoden: Meniskusnaht oder Teilresektion mit Meniskusersatz. Den Meniskus mit resorbierbarem Nahtmaterial zu nähen, ist bei Randrissen möglich. In den anderen Fällen kann es notwendig werden, den verletzten Teil der Knorpelscheibe zu entfernen, um ihn dann zu ersetzen. Dazu werden entweder künstliche Implantate aus Polyurethan, biologische aus Kollagen oder Spendermenisken verwendet, damit einer vorzeitigen Schädigung der anderen Gelenkteile durch den Meniskusschaden vorgebeugt wird.

Die Bakerzyste

Als Folge von Knieerkrankungen kann es zu der Ausbildung einer mit Flüssigkeit gefüllten Ausstülpung in der Kniekehle kommen. Die nach ihrem Erstbeschreiber benannte Bakerzyste entsteht, wenn die Gelenkinnenhaut des Knies zu viel Gelenkflüssigkeit bildet. Denn übersteigt die Menge der für das Gelenk zur Schmierung gedachten Flüssigkeit die Kapazitäten des Gelenks, so stülpt sich von der Gelenkkapsel abgehend sackartig der dafür benötigte Raum ab. In der Kniekehle ist die Gelenkkapsel am schwächsten, weshalb dort das Gewebe durch eine Muskelloge nachgibt. Wenn die Zyste bemerkt wird und so- gar tastbar ist, besteht sie in der Regel schon eine Weile. Anfangs ist sie nämlich noch recht klein und kann sich auch bei Unterbrechung der Flüssigkeitszufuhr wieder zurückbilden. Das Ausmaß der Flüssigkeitsproduktion ist bei der Bakerzyste ein wichtiger Punkt, da ihre Entwicklung abhängig von der Reizung ist, durch die die Flüssigkeitsproduktion angeregt wird. Egal, ob die Zyste durch erhöhten Druck aufplatzt – was eine schmerzhafte Verteilung der Flüssigkeit im umliegenden Gewebe zur Folge hat –, ob sie mittels Punktion entleert oder operativ sogar ganz entfernt wird, sie kann sich immer wieder auffüllen oder neu bilden, solange die Grunderkrankung weiterbesteht. Eine Bakerzyste kann, besonders bei geringem Volumen, auch ohne Beschwerden verlaufen. Ansonsten sind neben Schmerzen in der Knieregion und unter Umständen deren Ausstrahlung auch Empfindungsstörungen und Beeinträchtigungen der umliegenden Muskulatur möglich. Die (Erst-)Diagnose der Bakerzyste ist meist durch Symptombeschreibung und Palpation (Tastuntersuchung) vom Arzt schon mit großer Sicherheit zu stellen. Um das genauere Ausmaß festzustellen, führt er dann in der Regel eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Kniekehle durch. Die Bakerzyste selbst kann konservativ mit entzündungshemmenden Medikamenten wie nichtsteroidalen Antirheumatika oder aber auch mit Kortison mittels Injektion in die Zyste behandelt werden. Auch in Form einer Injektion, jedoch nicht direkt in die Zyste, sondern in das Kniegelenk, kann auch Hyaluronsäure eingebracht werden. Diese soll die Ernährungssituation des Knorpels verbessern und damit die krankhafte Flüssigkeitsbildung reduzieren. Bei einer Punktion wird der Inhalt des Beutels mit einer Spritze herausgezogen, danach der Hohlraum ggf. noch mit Kortison gespült. Der Flüssigkeitsbeutel an sich verschwindet mit all diesen Maßnahmen aber nicht. Einzig mittels eines operativen Eingriffs kann die Bakerzyste entfernt werden. Diesen Schritt geht man in der Regel, wenn der Leidensdruck des Patienten groß ist und konservative Behandlungen keine Linderung bringen. Oder aber wenn eine rheumatische Erkrankung, wie rheumatoide Arthritis zugrunde liegt. Wichtig bei der Operation ist es, das stielartige Verbindungsstück zwischen Gelenkkapsel und Zystenbeutel mit zu entfernen und die Öffnung zu verschließen. Anderenfalls ist das Risiko einer baldigen Neubildung sehr groß. Völlig ausschließen lässt sich das aber nicht.

von Stefanie Zerres

 

VonRedaktion

Tabuthema Darm

Wichtig, aber wenig geschätzt

Der Darm gehört zu den Körperteilen mit schlechtem Leumund, über die man nur ungern spricht. Während Martin Luther noch unverblümt darüber schwadronieren konnte, dass aus einem verzagten Arsch niemals ein fröhlicher Furz kommt, sind die „niederen Regionen“ unseres Verdauungsapparats heute weitgehend tabu. Anders als manche glauben mögen, ist der Darm weitaus mehr als bloß eine Art Abflussschlauch zur Entsorgung ekliger Endprodukte. Vielmehr spielt er eine zentrale Rolle nicht nur für Verdauung und Stoffwechsel, sondern auch für die Immunabwehr. Zudem ist der Darm mit mehr als sieben Metern Länge unser größtes Organ und besitzt sogar ein eigenes Nervensystem.
Die größte Kontaktfläche des Körpers

Insgesamt bringt es der Darm auf eine Gesamtoberfläche von über 400 Quadratmetern, wozu vor allem die Zotten, blattförmige Erhebungen des Dünndarms, beitragen. Damit stellt er die größte Kontaktfläche des Körpers mit der Umwelt dar und bietet zugleich eine große Angriffsfläche für Fremdkörper und Giftstoffe. Die Häufigkeit von Darmerkrankungen ist dementsprechend groß. So leiden Millionen Deutsche unter chronischer Verstopfung, während die Zahl der Menschen hierzulande, die jedes Jahr eine chronisch-entzündliche Darmkrankheit wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa bekommen, auf über 200 000 berechnet wird. Darüber hinaus erkranken schätzungsweise mindestens 50 000 Frauen und Männer jährlich an Darmkrebs und mehr als 30 000 sterben daran.

Regelmäßige Darmvorsorgeuntersuchungen sind ein Muss

Darmkrebs lässt sich in vielen Fällen durch eine rechtzeitige Vorsorgeuntersuchung verhindern. Denn jeder Tumor ist in seinem Anfangsstadium zunächst ein relativ harmloser Polyp. Für die Diagnostik stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Bei der manuellen Untersuchung tastet der Arzt ausschließlich den Enddarm auf etwaige Schleimhautveränderungen und Unregelmäßigkeitenhin ab. Spätestens ab Mitte 40 sollte jeder Mensch einmal im Jahr seinen Darm mithilfe eines sogenannten Blutstuhltests auf okkultes Blut hin untersuchen. Man bekommt die entsprechenden Teststreifen in jeder Apotheke. Die genaueste Form der Diagnostik stellt die Darmspiegelung oder Koloskopie dar. Sie wird von den Krankenkassen ab dem 50. Lebensjahr getragen. Liegen besondere Indikationen oder eine erbliche Vorbelastung vor, ist dies auch schon früher der Fall. Um den Darm für die Untersuchung zu entleeren, muss der Patient am Tag zuvor ein Abführmittel einnehmen. Bei der Untersuchung wird ein Koloskop – ein flexibles Endoskop mit Kamera und Lichtquelle – Stück für Stück den Dickdarm hoch bis zum Beginn des Dünndarms vorgeschoben. Wird das Koloskop wieder zurückgezogen, werden Bilder auf einen Bildschirm übertragen, die der Patient, wenn er es wünscht, verfolgen kann. Während der Untersuchung können mithilfe von kleinen Instrumenten Gewebeproben und Polypen entnommen werden. Die Darmspiegelung ist inzwischen zu einer Standardmethode geworden. Sie ist kaum belastend und findet auf Wunsch des Patienten unter Kurz- oder Dämmerschlafnarkose statt.

Neue Verfahren zur Dünndarmendoskopie

Seit einiger Zeit lässt sich auch der Dünndarm endoskopisch untersuchen. Mit der sogenannten Doppelballon-Endoskopie ist es möglich, Quellen für chronische Blutungen und Gewebeanomalien ausfindig zu machen und zu behandeln. Das Endoskop kann wie bei einer Magenspiegelung über den Mund oder wie bei einer Koloskopie über den Enddarm eingeführt werden. Geeignet ist es vor allem bei Verdacht auf entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Eine relativ neue Methode zur Untersuchung des Dünndarms ist die sogenannte Kapselendoskopie. Dabei wird eine ca. ein mal drei Zentimeter große Kapsel mit Sender, Lichtquelle und einer Chipkamera hinuntergeschluckt, die über einen Zeitraum von etwa sechs Stunden pro Sekunde zwei Bilder aus dem Dünndarm sendet. Die Kapsel wird anschließend auf normalem Wege ausgeschieden. Anwenden lässt sich das Verfahren allerdings nur, wenn man davon ausgehen kann, dass keine Engstellen im Darm vorhanden sind.

Ein äußerst sensibles Organ

Während die moderne Medizin immer effizientere Methoden zur Diagnostik und Therapie von Darmerkrankungen entwickelt hat, ist das persönliche Verhältnis, das wir zu unserem Darm haben, vielfach gestört. Man spricht zwar gerne vom „Bauchgefühl“, aber die entsprechenden Signale werden dennoch häufig missachtet. Dabei ist der Darm eines der sensibelsten Organe unseres Körpers. Er reagiert auf Wut, Stress und Trauer so empfindlich wie ein Seismograf. Anstatt diese Reaktionen nur als lästige Störung zu empfinden, sollten wir uns mit ihnen auseinandersetzen, denn wer nicht auf seinen Bauch hören will, muss später vielleicht umso deutlicher die Konsequenzen fühlen.

Seit der Antike bekannt: der künstliche Darmausgang

Künstliche Darmausgänge – auch Stoma (griechisch = Mund) oder Enterostoma genannt – wurden bereits in der Antike gelegt. In Deutschland leben damit zurzeit über 100 000 Menschen aus allen Altersgruppen. Betroffen sind vor allem Patienten mit schweren Formen von Darmkrebs. Bei einem Stoma wird ein Teil des Darms durch die Bauchdecke ausgeleitet. Die Ausscheidungen werden in einem Beutel geruchsfest aufgefangen und anschließend in der Toilette entsorgt. Ein künstlicher Darmausgang kann zeitlich begrenzt oder dauerhaft angelegt sein. Wenn es sich um eine Ausleitung des Dickdarms handelt, spricht man von einem Kolostoma, ist der Dünndarm betroffen, spricht man von einem Ileostoma. Ein künstlicher Darmausgang stellt für die Betroffenen zunächst eine große Herausforderung dar, da sie sich daran gewöhnen müssen, ihren Stuhlgang nicht mehr kontrollieren zu können. Es gibt in Deutschland inzwischen zahlreiche Selbsthilfegruppen, in denen Stomaträger Rat und Hilfe bekommen und sich über ihre Erfahrungen und Probleme austauschen können.

von Klaus Bingler

VonRedaktion

Auf Schritt und Tritt

Schmerzende Füße und Beine

Wer kennt das nicht – nach einem längeren Fußmarsch sind die Beine schwer und die Füße wie plattgetreten. Meist hilft es dann, die „Beine hochzulegen“ oder ein belebendes Fußbad zu nehmen. Wenn Missempfindungen oder Schmerzen jedoch zum ständigen Begleiter werden, sollte man schon ein wenig genauer hinschauen, denn dahinter können sich durchaus ernsthafte Erkrankungen verbergen. Besonders jetzt im Frühjahr lohnen Beine und Füße eine Inspektion, nachdem sie wochen- oder monatelang hauptsächlich in festem Schuhwerk und dicken Socken gesteckt haben. Sind die Füße warm und haben Gefühl bis in die Zehenspitzen? Sind die Waden straff oder schmerzhaft aufgedunsen?

Schmerzen durch absinkendes Fußgewölbe

Häufiger Grund für Fußprobleme ist ein Absinken des Quer -oder Längsgewölbes des Fußes, ein sogenannter Spreiz- oder Senkfuß. Betroffene gehen nicht mehr elastisch und federnd – Stöße werden unabgemildert an Knie, Hüften und Wirbelsäule „durchgereicht“. Wenn durch eine Fußfehlstellung nicht mehr über die Großzehe abgerollt werden kann, kommt es nicht selten zu einer Metatarsalgie, bei der die Mittelfußköpfchen schmerzhaft durchgetreten werden. Oft kann hier gutes Schuhwerk oder die Versorgung mit entsprechenden Einlagen Wunder wirken. Auch bei einem fortgeschrittenen Hallux valgus können weiche Sohlen durch bestimmte Aussparungen dafür sorgen, dass die Beschwerden gelindert werden und ein schmerzfreies, normales Gehen wieder möglich ist.

Neuropathien werden oft spät erkannt

Es gibt jedoch auch zahlreiche Krankheiten, welche zu Gefühlsstörungen oder Schmerzen führen können und die zunächst kaum wahrgenommen werden – dennoch gibt es meist Anzeichen, die es zu beachten gilt. So kann etwa ein einzelner Nerv schmerzhaft gereizt sein oder auch eine Nervenkompression wie ein Tarsaltunnelsyndrom vorliegen. Treten die Missempfindungen symmetrisch auf, könnte es sich um eine beginnende Polyneuropathie handeln. Diese Nervenschädigung kann verschiedene Ursachen haben und beispielsweise auf einen unerkannten Diabetes mellitus oder eine Viruserkrankung hindeuten. Eine solche Polyneuropathie beginnt meist bei den Füßen. Zu Taubheitsgefühlen kommt ein brennender Dauerschmerz im Versorgungsgebiet der peripheren Nerven. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer erhöhten Berührungsempfindlichkeit und einer Druckempfindlichkeit von Muskeln und Nerven. Im fortgeschrittenen Stadium treten Reizerscheinungen an den Muskeln wie Krämpfe oder auch Lähmungen auf. Typisch für eine Polyneuropathie sind die socken- bzw. handschuhförmigen Gefühlsstörungen und eventuell eine Schwäche an den Füssen, seltener an den Händen, oder gar an den Beinen und Armen. Je nach Art und Verteilung dieser Reiz- und Ausfallserscheinungen bei Polyneuropathien unterscheidet man symmetrische und asymmetrische sowie rein die Empfindlichkeit (sensorische) und auch die Muskelkraft (sensorisch-motorische) betreffende Formen.

Neuropathien – was kann sie auslösen?

Neuropathische Schmerzen können sowohl durch Verletzungen als auch durch andauernde Überreizung ausgelöst werden. Polyneuropathien können durch Diabetes, Vitaminmangel, Medikamente, Drogen, Alkohol, Rauchen und Vergiftungen hervorgerufen werden. Häufigste Auslöser einer Polyneuropathie in Deutschland sind Diabetes und Alkoholmissbrauch. Darüber hinaus gibt es auch seltene entzündliche Veränderungen des peripheren Nervensystems, die zu Polyneuropathien führen können, z.B. das Guillain-Barré-Syndrom, bei dem es zu Sensibilitätsstörungen und aufsteigenden, unterschiedlich stark ausgeprägten Lähmungen im Bereich der Bein- und Armmuskulatur kommt.

Dicke Beine – Vorsicht vor Venenleiden

Besonders Wetterumschwünge gehen in diesen Tagen buchstäblich „auf den Kreislauf“, was sich häufig in dicken, geschwollenen Knöcheln oder Beinen äußert. Dahinter kann eine beginnende Veneninsuffizienz stecken: Das Blut, das vom Herzen über die Arterien in die Organe und Gliedmaßen gepumpt wird, muss gegen die Schwerkraft wieder zurück zum Herzen befördert werden. Dies geschieht in den Venen, die in ihrer Arbeit von der umgebenden Muskulatur, der sogenannten Muskelpumpe, unterstützt werden. Ventilklappen, die sich immer wieder in der Venenwand befinden, sollen ein Zurückfließen des Blutes verhindern. Übergewicht, ständiges Tragen des falschen Schuhwerks oder auch eine Bindegewebsschwäche kann zu einer Schwächung der Venenwand führen. Diese dehnt sich aus, die Venen werden geweitet und das Blut staut sich. Auf Dauer schließen die Venenklappen nicht mehr richtig, was einen Stau in den weiter unten liegenden Abschnitten bewirkt, sodass es dort zu einem Austritt von Flüssigkeit aus den Venen in das umliegende Gewebe kommt. Werden die Beine entlastet, bilden sich die Ödeme meist schnell wieder zurück. Wird der Zustand jedoch chronisch, kommt es zu sichtbaren Gefäßaussackungen – Besenreisern oder gar Krampfadern. Langfristig führt diese ständige Druckerhöhung zu weiteren Veränderungen im Gewebe. Sie gehen meist mit Verhärtungen und Pigmentveränderungen einher bis hin zum gefürchteten sogenannten „offenen Bein“. Solche durch die dauernde Druckerhöhung im Gewebe entstehenden Geschwüre stellen die Endstufe der chronisch venösen Insuffizienz dar. Schlimmstenfalls können sich an den geschädigten Venenklappen Blutgerinnsel bilden, welche ein Gefäß teilweise oder komplett verschließen können. Lösen sich Teile dieser Gerinnsel ab, werden sie mit dem Blutstrom weitertransportiert und können – in der Lunge angekommen – dort sogar eine lebensbedrohliche Embolie verursachen. Dazu muss es aber natürlich nicht kommen: Vielen Beschwerden und Symptomen lässt sich mit einer konsequenten Therapie vorbeugen. So kann zum Beispiel der venöse Rückstrom durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen ganz erheblich von außen unterstützt werden. Wichtig ist allerdings, dass solche Strümpfe oder Strumpfhosen früh genug getragen werden, sodass sich gar nicht erst bleibende Ödeme bilden. Darüber hinaus sollten Situationen vermieden werden, welche eine zusätzliche Erweiterung der gestressten Gefäße nach sich ziehen. Dazu zählt neben dem Tragen unpassenden Schuhwerks besonders die übermäßige Anwendung von Wärme. Wer unter schweren und schmerzenden Beinen leidet, sollte deshalb zumindest zeitweise auf Sauna- und Solarienbesuche sowie Fangoanwendungen und Waxing zur Haarentfernung möglichst verzichten.

Schwere Beine – besonders ein Problem in der Schwangerschaft

Viele Schwangere kennen das: Obwohl der Tag vielleicht gar nicht so anstrengend war, sind die Beine müde und geschwollen. Das liegt daran, dass die Gefäße in der Schwangerschaft viel mehr Blut transportieren müssen als sonst. Nur so können die Gebärmutter und das Kind im Mutterleib optimal versorgt werden. Zusätzlich wird durch das Östrogen im Gewebe dieses weicher und dehnbarer, sodass sich Wassereinlagerungen bilden. Im Schnitt kommt es so bei Schwangeren zu einem Mehrgewicht von etwa 15 Kilo. Sie sollten daher auf jeden Fall auf hohe Absätze verzichten, die Beine und Füße noch zusätzlich belasten. Auch eine durchblutungsfördernde Fußgymnastik – mit einem Massageroller oder einem Igelball – und regelmäßige kalte Beingüsse können helfen, die Flüssigkeitseinlagerungen abzutransportieren und eine optimale Tätigkeit der Venenpumpe sicherzustellen.

Präparate gegen Venenleiden – was bringen sie?

Die Tätigkeit der Venen kann auch medikamentös unterstützt werden. Von den zahlreich auf dem Markt vertretenen Präparaten konnte jedoch bislang nur für Rosskastanien-Extrakt, Flavonoide und Weinlaub-Trockenextrakt eine Wirksamkeit nachgewiesen werden. Salben und Cremes können zwar oberflächlich kühlen und pflegen, haben jedoch in der Regel keinen Einfluss auf die Funktion der tiefer liegenden Blutgefäße.

von Arne Wondracek